Leitungsmodelle in den deutschen (Erz-)Diözesen

Im Rahmen der Ausgabe 4-2020 des Magazins Hirschberg haben wir die deutschen (Erz-)Diözesen befragt, welche Leitungsmodelle vor Ort zur Anwendung kommen.

Ergänzend zu der im gedruckten Magazin gezeigten Übersicht erhalten Sie in der Folge detailliertere Ausführungen zu den vor Ort angewendeten Leitungsmodellen, die wir auf Grundlage der Rückmeldungen* aus den deutschen (Erz-)Diözesen erstellt haben.

Bistum Aachen 

Das Bistum Aachen beherbergt diverse Leitungsmodelle: Im Falle des Priestermangels können ein Laie oder eine “Gemeinschaft von Personen an der Ausübung der Hirtensorge einer Pfarrei” beteiligt sein. Hierfür bestimmt der Bischof einen Priester, der “mit den Vollmachten und Befugnissen eines Pfarrers ausgestattet” ist und die Letztverantwortung in der Pfarrei trägt. Ein beauftragtes Team, bestehendes aus drei bis fünf Ehrenamtlichen, leitet die Pfarrei und wird ergänzt durch einen moderierenden Priester als Letztverantwortlichen sowie eine/n hauptamtliche/n Gemeinde- oder Pastoralreferenten/-in. 

Bei der “Gemeindeleitung in Gemeinschaft” teilt sich ein kanonisch ernannter Pfarrer die Leitungsaufgaben mit einem Team von beauftragten Ehrenamtlichen. 

Das Leitungsmodell “Leitung mit Verantwortlichen” ist gedacht für territoriale Gemeinden, kleine Pfarreien ohne Pfarrer vor Ort oder administrierte Pfarreien. Hierbei werden Ehrenamtliche mit der Leitung beauftragt und ein hauptberuflicher pastoraler Mitarbeiter arbeitet mit ihnen zusammen und gewährleistet die Rückbindung an den “Pastoralen Raum”.  

Daneben gibt es nach Auskunft des Bistums “diverse Experimente mit lokalen Leitungsteams” in etwa einem Dutzend Pastoraler Räume. Hinzu kommen Leitungsteams von Personalgemeinden, die nicht territorial, sondern überörtlich orientiert sind: Jeweils ein Pastoral- oder Gemeindereferent arbeitet dort mit einem Freiwilligen-Team zusammen. 

Nach Bistumsangaben hat Bischof Dr. Dieser diese Modelle bis zum Ende des Gesprächs- und Veränderungsprozesses “Heute bei dir” des Bistums Aachen bestätigt. Danach sei alles offen. 

Bistum Augsburg 

Im Bistum Augsburg gibt es zurzeit keine Überlegungen zu Leitungsmodellen mit Laienbeteiligung. Führungsaufgaben würden dennoch auf mehrere Personen verteilt. Im Kontext der “Pastoralen Raumplanung 2025″ seien nach den aktualisierten Satzungen der pastoralen Laiengremien nun festgehalten, dass der Pfarrer seine Leitungsaufgaben im Zusammenwirken mit dem Pastoralrat ausübe. Der Pastoralrat kann nach Bistumsangaben „im Rahmen des Laienapostolats” auch in eigener Verantwortung tätig werden.  

Zudem wurden in den vergangenen Jahren Verwaltungsleiter mit (Teil-)Leitungsaufgaben eingesetzt, die die Pfarrer unterstützen sollen. Derzeit sind bistumsweit bereits rund 55 solcher Verwaltungsleiter tätig. 

Auf die jüngst veröffentlichte Instruktion über „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde” betont Bischof Dr. Bertram Meier, dass sich die „Pastorale Raumplanung 2025“ sowie die Satzungen der Laiengremien im Bistum Augsburg in diesem Rahmen bewegten und dass die Diözese mit den Vorgaben aus Rom gut leben könne. 

Erzbistum Bamberg 

Nach Aussage der Erzdiözese Bamberg sieht Erzbischof Ludwig Schick derzeit keine Notwendigkeit, adäquate Modelle anzuwenden. Entsprechend ist eine Pfarrei- oder Gemeindeleitung durch Laien im Erzbistum nicht angedacht 

Zwar wurden im Zuge der Strukturreform des Erzbistums mit der Bildung von neuen Seelsorgebereichen neue Seelsorgeteams bestehend aus Priestern, Diakonen sowie Gemeinde- und Pastoralreferenten/innen installiert. Die Gesamtleitung obliegt aber immer einem leitenden Pfarrer. 

Erzbistum Berlin 

Im Erzbistum Berlin ist der Pastorale Prozess „Wo Glauben Raum gewinnt“ angelaufen. Viele Pfarreien haben sich in der Folge zu Pastoralen Räumen zusammengeschlossen mit dem Ziel, eine neue Pfarrei zu gründen. Mittlerweile existieren sechs solcher neuern Pfarreien. 2021 sollen weitere acht neue Pfarreien gegründet werden. Fünf Pastorale Räume werden aktuell von Teams mit Laienbeteiligung geleitet. Die neue Pfarrei muss diesem Modell aber nicht entsprechen. Das Thema Leitung im Team wird hierbei nach Bistumsangaben intensiv diskutiert und evaluiert. 

Hier finden Sie Informationen zum Prozess „Wo Glauben Raum gewinnt“: https://www.erzbistumberlin.de/wir-sind/wo-glauben-raum-gewinnt/ 

Bistum Dresden-Meißen 

Nach Aussage des Bistums gibt es im Bistum Dresden-Meißen keine Pfarreileitungen durch Laien. Die neue „Ordnung für den Ortskirchenrat und den Pfarreirat im Bistum Dresden-Meißen“ betont indessen, dass Ehrenamtliche zu einer partnerschaftlichen Mitverantwortung in den Pfarreien berufen sind. Dabei gehe es vor allem um die Gestaltung des kirchlichen Lebens vor Ort aus eigener Initiative heraus. Die Leitung der Pfarrei liegt weiterhin beim Pfarrer – auch wenn die Mitverantwortung der Ehrenamtlichen auf Ebene der jeweiligen Ortsgemeinde betont wird. 

Bistum Eichstätt 

Nach Bistumsangaben existiert im Bistum Eichstätt kein Modell der “Gemeindeleitung durch Laien“. Trotzdem werde mehr denn je die Zusammenarbeit aller hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Pastoralteam der jeweiligen Pastoralräume betont. Zudem sei damit zu rechnen, dass auch in Eichstätt innovative Wege und Formen der Pastoral und auch der Leitungsdienste entwickelt werden.  

Die Zusammenarbeit von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern soll künftig intensiver begleitet und gefördert werden. Während die Leitungsverantwortung einer Pfarrei bzw. eines Pfarrverbandes kirchenrechtlich beim jeweiligen Pfarrer liegt, werden der Einsatz und die jeweiligen Kompetenzen der Getauften und Gefirmten zukünftig mehr Gewicht erhalten. Das Bistum unterstrich auf Anfrage: “Gerade die Prognose zur zahlenmäßigen Entwicklung der Pastoralen Berufsgruppen in unserem Bistum gibt Anlass, über neue Möglichkeiten von Verantwortung in der Pastoral nachzudenken.” 

Bistum Erfurt 

Im Bistum Erfurt gibt es bislang keine Gemeindeleitung durch Laien. “Örtliche kirchliche Strukturen fördern wir”, teilte die Diözese mit, “aber unter dem Dach der Pfarrei und der Leitung des Pfarrers.” 

Bistum Essen 

Nach Bistumsangaben gibt es derzeit drei Gemeinden in Essen, Duisburg und Oberhausen, die bereits von ehrenamtlichen Teams geleitet werden oder in denen sich Teams darauf vorbereiten. Das Konzept soll zudem auf weitere Gemeinden ausgedehnt werden. Die ehrenamtlich geleiteten Gemeinden im Ruhrbistum bleiben Teil einer größeren Pfarrei. Jede Pfarrei wird laut Bistum weiterhin von einem Pfarrer geleitet. Bei den Gemeinden, denen bislang in der Regel ein Priester vorstand, wolle man zunehmend zu einer Leitung durch hauptamtliche Gemeindereferenten übergehen. 

Das Bistum Essen besteht aus 42 Pfarreien. Diese werden von einem Pfarrer (Priester) geleitet. Jeder Pfarrei wiederum ist in mehrere Gemeinden unterteilt. Im Bistum Essen gibt es 174 Gemeinden. Von diesen Gemeinden werden einige von ehrenamtlichen andere von hauptamtlichen Mitarbeitenden geleitet: 

3 ehrenamtliche Gemeindeleitungen

  • Gemeinde Heilige Familie, Pfarrei St. Antonius, Essen 
  • Gemeinde St. Barbara, Pfarrei St. Johann, Duisburg 
  • Gemeinde Liebfrauen, Pfarrei St. Clemens, Oberhausen 
  • 28  Gemeindeleitungen durch hauptamtliche Mitarbeitende  (24 Gemeindereferentinnen, 4 Diakone) 

Erzbistum Freiburg 

Im Erzbistum Freiburg gibt es derzeit keine Leitungsmodelle mit Beteiligung von Laien. Nach Angaben der (Erz-)Diözese sei die Leitung einer Pfarrei Priestern vorbehalten. 

Bistum Fulda 

Laut Aussage der Diözese soll die Pfarrei im Bistum Fulda im Rahmen des Zukunftskonzepts “Strategische Ziele 2030” von einem Pfarrer geleitet werden. 

Dazu unterstrich das Bistum aber, dass eine Pfarrei in erster Linie als “Netzwerk Pastoraler Orte” zu verstehen sei. Diese Pastoralen Orte sollen jeweils von Laien geleitet werden. Das Bistum versteht unter dem Begriff sowohl Einrichtungen als auch Personengruppen, die zu einer Pfarrei gehören, und nennt als Beispiele unter anderem Kitas, Schulen, Verbände, geistliche Gemeinschaften und soziale Einrichtungen. 

Bistum Görlitz 

Auf Anfrage teilte das Bistum Görlitz mit, dass in der Diözese bislang weder eine Pfarrei- oder Gemeindeleitung durch Laien existiere und derzeit auch nicht im Gespräch sei.  

Erzbistum Hamburg 

Das Erzbistum Hamburg arbeitet mit dem Projekt „Führung und Leitung von Pfarreien“ an einer neuen Leitungsarchitektur für die bald noch 28 Pfarreien. Der Projektplan sieht vor, im Jahr 2021 in je einer Pfarrei in Mecklenburg und Hamburg Pilotprojekte starten zu können. Die neuen Steuerungsteams arbeiten auf der Grundlage eines schriftlichen Kontraktes und nach erzbischöflicher Beauftragung. Im Bereich der hauptamtlichen Pfarrverwaltung werden die Kapazitäten aufgestockt und die Leitung erfolgt durch ein Team mit Pastor und ehrenamtlich engagierten getauften und gefirmten Pfarreimitgliedern. 

Bistum Hildesheim 

Im Bistum Hildesheim werden Pfarreien auch unter Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ durch einen Pfarrer geleitet. Formen der gemeinsamen Verantwortung in örtlichen Gemeinden sollen aber weiterentwickelt werden sollen. 

An zahlreichen “Kirchorten” der Diözese gibt es schon sogenannte “Teams Gemeinsamer Verantwortung”, kurz “TGV”. Ein solches Team besteht aus etwa drei bis zehn Ehrenamtlichen, die Verantwortung für einen bestimmten Kirchort innerhalb einer Pfarrei übernehmen. Die Teams sind verantwortlich für die Glaubensverkündigung, die Feier von Gottesdiensten und das soziale Engagement vor Ort. Ein TGV wird vom Pastoralteam der Pfarrei begleitet und ist mit dem Pfarrgemeinderat und dem Kirchenvorstand beziehungsweise dem Pastoralrat verbunden. 

Die Teams gemeinsamer Verantwortung können dabei sowohl gewählt als auch berufen werden.  

Erzbistum Köln 

Leitungsverantwortung im Erzbistum Köln liegt prinzipiell beim Pfarrer. Im Rahmen des “Pastoralen Zukunftswegs” werden unter Beteiligung von unterschiedlich zusammengesetzten Foren aktuell Modelle entwickelt, wie sich getaufte und gefirmte Laien bei der Mitgestaltung des kirchlichen Lebens vor Ort künftig noch stärker engagieren können. 

Zudem wurden an unterschiedlichen Standorten bereits sogenannte Verwaltungsleiter eingesetzt, die eine (Teil-)Verantwortung für die Leitung von Pfarreien haben.

Bistum Limburg 

Im Bistum Limburg werden seit September 2017 mit dem Erkundungsprojekt „Ehrenamtliche Gemeindeleitung“ Wege und Modelle erprobt, Laien stärker an der Leitung in einer Pfarrei oder Gemeinde zu beteiligen. Beispielsweise übernehmen in der Pfarrei St. Ursula in Oberursel aktuell an zwei Kirchorten Dreier-Teams die Aufgabe einer Gemeindeleitung. Zudem werden in der Pfarrei St. Birgid in Wiesbaden sowie in der Pfarrei Liebfrauen in Westerburg unterschiedliche Formen von Dienstgesprächen erprobt.   

Im Rahmen des Erkundungsprojektes begleitet das Bistum Limburg die Projekte beratend mit. Das Bistum bietet Ehrenamtlichen Supervision durch einen externen Coach an. Außerdem gibt es zahlreiche Qualifizierungsangebote, die sich speziell an die Ehrenamtlichen richten. 

Informationen zum großen Dienstgespräch in St. Birgid gibt es hier: https://www.st-birgid.de/?page_id=10719 

Bistum Magdeburg 

Gemäß dem Konzept “VOlK” (Vor Ort lebt Kirche) gibt es im Bistum Magdeburg seit mehreren Jahren Gruppen von ehrenamtlichen Leitungsteams für Gemeinden. Diese stehen nach Bistumsangaben unterhalb der Ebene der Pfarrei. Neben den “VOlK”-Teams gebe es in manchen Pfarreien “Ortsgruppen-Vertretungen”, die lokale Verantwortung für ihre Gemeinde übernehmen würden.  

Zudem gibt es auch erste Pfarreien, in denen die Leitung durch Teams wahrgenommen wird. Diese Teams sind nach Canon 517 §2 CIC für die Grundvollzüge Verkündigung, Diakonie, Liturgie als auch für die Organisation und Verwaltung verantwortlich. Die Teams werden vom Bischof mit zeitlicher Begrenzung beauftragt und bestehen aus einem moderierenden Priester sowie einem Mitglied des Pfarrgemeindesrates und des Kirchenvorstandes.  

Bistum Mainz 

Im Bistum Mainz existiert nach Bistumsangaben aktuell kein Leitungsmodell mit Laien. Im Kontext des von Bischof Kohlgraf ausgerufenen “Pastoralen Wegs” sollen solche Leitungsmodelle aber zukünftig denkbar sein. Unter Kardinal Karl Lehmann gab es laut Aussage der Diözese seit 1995 eine Modellpfarrei, in der nach Canon 517 §2 CIC die Leitung einer Pfarrei durch einen Laien erprobt wurde. Mit der Pensionierung der Stelleninhaberin vor einigen Jahren sei der Modellversuch aber ausgelaufen. 

Erzbistum München und Freising 

Im Erzbistum München und Freising gibt es unterschiedliche Modelle der Leitung durch Laien. Beim Modell “Leitung durch pastoralen Mitarbeiter mit Team” wird die Pfarrei oder der Pfarrverband nicht von einem Priester, sondern von einem Diakon, einem Pastoralreferenten oder einem Gemeindereferenten geleitet. Die Leitung wird dabei unterstützt von einem Seelsorgeteam, in dem auch ein Priester mitwirken kann. Allerdings braucht es immer einen konkreten, eindeutig benannten Priester, der die Vollmachten und Befugnisse eines Pfarrers hat und dem die Leitung der Seelsorge in dieser Pfarrei zukommt.  

Ein zweites Modell sieht die vom Bischof delegierte Leitung eines Pfarrverbandes durch ein Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen vor. Das Besondere dabei: Hier steht kein Pfarrer als Letztverantwortlicher im Hintergrund und auch kein anderer Priester, der “mit den Vollmachten und Befugnissen eines Pfarrers ausgestattet” ist (vgl. Canon 517 §2 CIC). Zwar ist auch bei diesem Leitungsmodell ein Priester im Team vertreten. Die Letztverantwortung für den Pfarrverband liegt aber im ganzen Team, wobei jedes Mitglied gleichberechtigt ist.  

Münster 

Das Bistum Münster hat aktuell vor einigen Wochen eine Handreichung zum Thema neue Leitungsformen veröffentlicht (https://www.bistum-muenster.de/startseite_aktuelles/newsuebersicht/news_detail/bistum_muenster_reagiert_auf_wandel_handreichung_ermutigt_zu_neuen_formen_von_leitung

Des Weiteren gibt es einige Beispiele für Pfarreien, in denen neue Leitungsmodelle gelebt werden: 

https://www.bistum-muenster.de/startseite_aktuelles/newsuebersicht/news_detail/neues_leitungsmodell_fuer_saerbeck

https://www.bistum-muenster.de/startseite_aktuelles/newsuebersicht/news_detail/neue_leitungsstruktur_in_st_ludgerus_schermbeck

https://www.bistum-muenster.de/startseite_aktuelles/newsuebersicht/news_detail/neue_leitungsstruktur_in_st_martinus_moers

“Allen Leitungsformen liegt die Überzeugung zugrunde, dass alle Getauften und Gefirmten für das pastorale Leben in ihren Pfarreien verantwortlich sind. Die Leitung der Pfarrei hat dabei in allen Fällen ein Priester als Pfarrverwalter. Diese Form der geteilten Verantwortung entspricht dem Kirchenrecht”, teilte die Diözese auf Anfrage mit. 

Bistum Osnabrück 

In der Diözese Osnabrück existieren seit 2019 Leitungsmodelle mit einem hauptamtlichen Laien an der Spitze in diesem Jahr. Die Pfarreiengemeinschaft Wellingholzhausen/Gesmold im Landkreis Osnabrück wird nach Bistumsangaben seit 1. Dezember 2019 von einem sogenannten “Pfarrbeauftragten” geleitet. Mit der Einführung der Gemeindeleitung durch hauptamtliche Laien – also pastorale Mitarbeiter, die nicht zum Priester geweiht sind – soll nach Bistumsangaben die weitere Zusammenlegung von Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften zu noch größeren Einheiten im Bistum Osnabrück vermieden werden. Dem Pfarrbeauftragten stehe in seinen Aufgaben ein “moderierender Priester” zur Seite, der nicht vor Ort lebe. 

Insgesamt gibt es nach Aussage des Bistums sieben Pfarreien, die von insgesamt fünf hauptamtlichen Laien geleitet werden: 

  • Die Pfarreien in Wellingholzhausen und Gesmold waren die ersten, die seit 1. Dezember 2018 von einem Laien geleitet werden. 
  • Im Sommer vergangenen Jahres sind drei weitere Gemeinden dazugekommen: Langeoog (Leitung durch eine Frau), Juist (Leitung durch eine Frau) und Norderney (Leitung durch einen Mann) 
  • Seit 1. Dezember 2019 leitet eine Frau die beiden Pfarreien in Bad Iburg und Glane (Landkreis Osnabrück). Lesen Sie dazu auch das Interview mit der Pfarrbeauftragten Christine Hölscher “Zwischen Notnagel und Türöffner” in der aktuellen Ausgabe des Hirschbergs 3-2020, S. 14-17.  

Erzbistum Paderborn 

Im Erzbistum Paderborn gibt es aktuell keine Laien als Leiter von Kirchengemeinden oder Pastoralen Räumen. Kirchengemeinden und Pastorale Räume werden durch Priester bzw. Pfarrer geleitet, die vom Paderborner Erzbischof ernannt und entsprechend installiert werden. 

Im Hinblick auf eine Entlastung der leitenden Pfarrer von Verwaltungsaufgaben ist das Erzbistum Paderborn nach eigenen Angaben aktiv, Laien als sogenannte Verwaltungsleiter einzusetzen, die mit dem Pfarrer als Leiter eng zusammenarbeiten. 

Bistum Passau 

Nach Angaben des Bistums liegt im Bistum Passau die Leitung von Pfarreien in der Regel in den Händen von Pfarrern bzw. Pfarradministratoren, die dabei von Laien unterstützt werden. Im Rahmen des pastoral-strukturellen Erneuerungsprozesses wurden in den letzten Jahren 18 Verwaltungszentren eingerichtet, mit dem Ziel, Pfarrer von vielfachen Verwaltungsaufgaben zu entlasten, um mehr Zeit in seelsorgliche und missionarische Aufgaben einbringen zu können – “also nah an den Hilfe suchenden Menschen sein zu können”. 

Generalvikar Josef Ederer zur aktuellen Situation der Verwaltungszentren: „Die Verwaltungszentren sind umgesetzt, auch wenn wir derzeit aufgrund der Corona-Situation und der noch nicht absehbaren finanziellen Konsequenzen bei der Neubesetzung von Verwaltungsstellen sehr zurückhaltend sind. Es gibt viele positive Erfahrungen und Rückmeldungen mit den Verwaltungsleitungen. Ich bin froh über die hohe Akzeptanz und dankbar für das große Engagement und die Kompetenz der Verwaltungsleitungen. Zeichen dafür, dass wir den richtigen Weg gewählt haben, ist für mich auch die Tatsache, dass inzwischen so viele Pfarrer die Bereitschaft zur Abgabe von Verwaltungstätigkeiten signalisiert und auch bereits beantragt haben, dass wir diesen Wünschen nur Zug um Zug nachkommen können. Wir bleiben dran.“ 

Weitere Informationen finden Sie hier: https://www.bistum-passau.de/bistum-pfarreien/pastoral-struktureller-erneuerungsprozess 

Bistum Regensburg 

Die Diözese Regensburg gab an, dass eine Pfarrei- oder Gemeindeleitung durch Laien im Bistum weder existiere noch im Gespräch sei. 

Bistum Rottenburg-Stuttgart 

In der Diözese Rottenburg-Stuttgart werden derzeit drei Pfarreien durch sogenannte “Pfarrbeauftragte” – also hauptamtliche Laien – geleitet. Dieses Modell soll gefördert werden. 

Damit dieses Leitungsmodell zum Tragen kommt, muss eine Trias erfüllt sein: Es braucht einen Kirchengemeinderatsbeschluss, der sich für dieses Modell ausspricht. Dann muss der Bischof überzeugt sein, dass die jeweilige Person für diese Aufgabe geeignet ist und es muss einen zuständigen Priester in der Umgebung geben, der bereit ist, dieses Leitungsmodell mitzugestalten.  Eine Ausweitung dieses Leitungsmodells auf weitere Orte werde kontinuierlich geprüft, teilte die Diözese mit.  

Das Modell sei an allen drei Standorten unterschiedlich ausgeprägt. Als Gemeinsamkeiten lasse sich unter anderem festmachen: Alle Pfarrbeauftragten haben Stimmrecht im Kirchengemeinderat und im Verwaltungsausschuss. Es ist zudem jeweils ein zuständiger Priester benannt, der zugleich der Dienstvorgesetzte für den Pfarrbeauftragten und, falls vorhanden, für die hauptberuflichen pastoralen Mitarbeiter vor Ort ist. 

Daneben existiert mit dem sogenannten “Rottenburger Modell” bereits seit 50 Jahren ein Leitungsmodell, das unter den deutschen Diözesen einzigartig ist: Alle Pfarreien der Diözese werden vom Pfarrer in Kooperation mit den gewählten Kirchengemeinderäten geleitet. Sämtliche Entscheidungen können nur kooperativ getroffen werden. 

Bistum Speyer 

In der Diözese Speyer gibt es derzeit kein Modell der Pfarreileitung durch Laien. Nach Bistumsangaben gibt es ein Pilotprojekt in Homburg (Saar) zur Erprobung neuer Leitungsmodelle.  

Informationen dazu finden Sie hier: https://www.bistum-speyer.de/news/nachrichten/?no_cache=1&tx_ttnews%5Btt_news%5D=15079 

Bistum Trier 

Im Zuge der Umsetzung der Diözesansynode (2013-2016) sollte es zu einer Neugliederung der Pfarreienlandschaft und der Errichtung von 35 “Pfarreien der Zukunft” kommen. Diese Pfarreien sollten nach Bistumsangaben von einem Team aus drei Personen geleitet werden: einem Pfarrer und zwei hauptamtlichen Laien. Das Leitungsteam hätte um bis zu zwei ehrenamtlich tätige Personen erweitert werden können. 

Die römische Kleruskongregation hat im November 2019 allerdings gegen die Pläne des Bistums interveniert und das sogenannte Umsetzungsgesetz ausgesetzt, auf dessen Basis die neuen Pfarreien mit Leitungsteams hätten errichtet werden sollen. Aktuell befindet sich das Bistum nach eigenen Angaben in einer Phase der Umplanung. Alle Informationen dazu finden Sie unter https://www.bistum-trier.de/heraus-gerufen/ 

Eine Bewertung aus kirchenrechtlicher Perspektive zu der “römischen Intervention” finden Sie im Beitrag von Thomas Schüller “Pfarrerlose Pfarreien. Römische Paradoxien und diözesane Antworten” in der aktuellen Ausgabe des Hirschbergs 3-2020: https://nd-hirschberg.de/pfarrerlose-pfarreien/ 

Bistum Würzburg 

In der Diözese Würzburg werden nach Bistumsangabe in mehreren Pfarreiengemeinschaften Ehrenamtliche “besonders intensiv” in die Leitung eingebunden, teilte das Bistum mit. Letztverantwortlich sei dort jedoch nach wie vor der Pfarrer. Die Umsetzung der unterschiedlichen Leitungsmodelle unterscheidet sich dabei je nach Standort. In der Pfarreiengemeinschaft “Heilig Geist, Rauhenebrach”, obliegt die Leitung der Teilgemeinden beispielsweise einem “Tandem” aus zwei Ehrenamtlichen. Hierbei kümmert sich eine Person um die Kirchengüter und meldet dem Pfarrer, wenn es im Verwaltungsbereich Handlungsbedarf gibt. Die andere blickt auf die pastoralen Belange der Gemeinde. Hauptamtliche pastorale Mitarbeiter begleiten und unterstützen die Tandems. 

* Die Vorlage für unsere Rückfragen stammt von katholisch.de (https://www.katholisch.de/artikel/17959-priester-laien-teams-wer-leitet-die-pfarreien). Bis auf wenige Ausnahmen zeigten sich die (erz-)diözesanen Pressestellen überaus auskunftsfreudig und entgegenkommend – hierfür ein herzliches Dankeschön der Redaktion!

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