Zusatzmaterial zum Synoden-Tagebuch von Stefan Vesper

[…] Was ist jetzt zu tun?

Mittlerweile hat die Bischofskonferenz einen neuen Vorsitzenden. Es ist ein Mann der Mitte, Bischof Dr. Georg Bätzing aus Limburg. Er spricht sicher für die Mitte, gerade weil er ein Mann ist, der Reformen will wie die überwiegende Mehrheit der Bischöfe und der Laien. Ich freue mich sehr über seine Wahl. Damit ist der Kurs für die nächsten 6 Jahre abgesteckt.

In diesen Wochen beginnt die Arbeit der 4 Synodalforen. Sie sind fair und ausgeglichen besetzt. Ich hoffe, dass sie gut arbeiten werden. Hätte ich in diesem Prozess etwas zu steuern, würde ich mich dafür einsetzen, dass die Synodalforen jetzt nicht erneut Texte von 50 Seiten schreiben – davon gibt es genug. Die Bischofskonferenz, das ZdK, manchmal auch gemeinsam in der „Gemeinsamen Konferenz“ von DBK und ZdK haben gute Texte und Analysen verfasst. Die Beschlüsse von Konzil und Synode, die Enzykliken z.B. von Papst Franziskus tun ein weiteres – wir müssen, so meine ich, nicht erneut Grundsatzerklärungen von Adam und Eva an formulieren.

Ich hoffe, dass man in den Synodalforen kurze Beschlussvorlagen entwickelt, die man im Übrigen laut Satzung in zwei voneinander getrennten Lesungen zu beraten hat. Ich hoffe, dass es die ersten Vorlagen schon in der Synodalversammlung im September gibt.

Es gilt also in den kommenden Monaten

  • erstens die Sacharbeit in den Foren weiter­zutreiben
  • zweitens sich nicht irre machen zu lassen von denen – auf beiden Seiten –, die von dem ganzen Vorgang nichts halten
  • drittens miteinander dabei zu bleiben, dass es gleichzeitig ein Beratungsprozess ist zu konkreten Sachfragen, aber auch ein geistlicher Prozess des miteinander Suchens, des echten Dialogs ohne Vorurteile und in echter gedanklicher Freiheit und viertens sich bewusst zu sein, dass viele auch in anderen Ländern auf uns schauen. Die katholische Kirche in Deutschland ist nicht der „Musterknabe“ der Weltkirche. Sie ist darin nur ein kleiner Teil. Aber auch das stimmt: von der deutschsprachigen Theologie und ganz grundsätzlich aus Deutschland sind schon viele gute Impulse in die Weltkirche gegangen. Wir werden beides zugleich schaffen: demütig bleiben und selbstbewusst.
    Und katholisch sowieso.

Glaubenszeugnis von Sr. Philippa Ratz OSB bei der ersten Synodalversammlung

Liebe Schwestern und Brüder,

ich stehe hier vor Ihnen als Ordensfrau, deren Berufung derzeit auf eine harte Probe gestellt wird. Ich liebe unsere Kirche, aber ich leide auch an ihr und nicht selten schäme ich mich für sie. Wohl nie in meinem klösterlichen Leben habe ich so viel für sie gebetet wie in den letzten zehn Jahren. Ich fühle mich den Opfern von Missbrauch und Gewalt zutiefst verbunden. Ich leide mit den verwundeten Menschen, die in unsere Abtei kommen, die unsere Kirche enttäuscht verlassen haben oder im Begriff sind dies zu tun. Keine Randexistenzen, nein: gläubige Menschen, engagierte Christinnen und Christen. Menschen, die voll Sehnsucht nach Gott und nach glaubwürdigen Zeugen der frohen Botschaft suchen. Ich stehe hier vor allem für viele Frauen, auch Ordensfrauen, die sich mehr Mitbeteiligung und Mitverantwortung in unserer Kirche wünschen – nicht als Lückenbüßer, nicht als Almosen, sondern als verbrieftes Recht in Anerkennung ihrer gleichen Würde. Schon viel zu lange warten wir Frauen darauf. Dass Frauen in Leitungspositionen – auch in geistlichen Leitungsämtern – ganz selbstverständliche Normalität sein können – beweisen übrigens die Ordensgemeinschaften seit 1500 Jahren. Es lohnt sich, auf diese Tradition wieder neu zu schauen und sie weiter zu entwickeln.

Ich möchte mir an dieser Stelle ein Wort aus dem Römerbrief zu Eigen machen: Wider alle Hoffnung hat er voll Hoffnung geglaubt, heißt es da. Ja, ich glaube wider alle Hoffnung voll Hoffnung, dass Umdenken und Erneuerung möglich sind, dass es sich lohnt, neu zu denken und Kirche anders zu leben, Dienste und Ämter neu zu sehen und anzuerkennen, wieviel an Seelsorge, an Diakonie, an gelebter Liebe und echter Nachfolge schon heute von unendlich vielen Frauen getan wird. Wer sind wir, frage ich mich, dass wir Gott vorschreiben wollten, wen er zu welchen Ämtern und Diensten in seiner Kirche beruft und welches Geschlecht diese Berufenen haben müssen? Geht es nicht um den gemeinsamen Dienst an den Menschen und um die gemeinsame Antwort auf den Heilsauftrag Jesu?

Liebe Schwestern und Brüder, das erste Wort der Benediktsregel, nach der ich lebe, heißt „Höre“. „Höre mein Sohn, meine Tochter, auf die Lehren des Meisters … und erfülle sie durch die Tat.“ Ich habe mich zu dieser synodalen Versammlung auf den Weg gemacht, um zu hören: auf Gottes Geist und auf Ihre Worte und Argumente. Und ich hoffe wider alle Hoffnung, dass wir alle bereit sind, respektvoll aufeinander zu hören – ohne Tabuisierung, ohne Denkverbote, ohne Vorverurteilungen, ohne Selbstgerechtigkeit und vor allem ohne einander die Rechtgläubigkeit und die Liebe zur Kirche abzusprechen. Gottes Geist weht, wo er will, vielleicht gerade dort, wo wir ihn am wenigsten erwarten.

Ich bin überzeugt: Heute – hier und jetzt – ist der Kairos, den es zu ergreifen gilt. Noch ist es nicht zu spät. Haben wir keine Angst. Seien wir uns unserer Verantwortung bewusst. Viele Menschen schauen voll Hoffnung und Erwartung auf uns – in und außerhalb der Kirche, in unserem Land und in der Welt. Vor allem aber schaut Gott auf uns. Er sieht in unser Herz; er sieht, ob unser Wille zu Umkehr und Reue echt ist; er sieht, ob wir bereit sind ernst zu machen mit der Liebe und mit der Geschwisterlichkeit. Enttäuschen wir ihn nicht! Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Foto: © Synodaler Weg/Malzkorn

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